30.10.06

Auf den Spuren der böhmischen Einwanderer

 

Fotos: Susanne Koch

Schon im 18. Jahrhundert war das heutige Neukölln ein Ziel für Einwanderer.

 

Der preußische König Friedrich-Wilhelm I erteilte 1737 böhmischen Glaubensflüchtlingen die Erlaubnis, beim damaligen Dorf Rixdorf anzusiedeln.

 

Ihre Religion durften sie frei ausüben und ihre Kultur und Sprache pflegen.

 

Mehr als 250 Jahre später gingen 25 SeniorInnen aus dem AWO Begegnungszentrums auf Spurensuche

 

Unter der Leitung von Diplom-Politologin Ursula Bach besuchten wir im Oktober 2006 den Betsaal und den Friedhof der Herrnhuter Brüdergemeinde, besichtigten die ehemaligen Bauernhäuser entlang der heutigen Richardstraße und die Ausstellung im Heimatmuseum, der früheren Dorfschule.

 

Was uns zum Nachdenken anregte, war z.B. die strenge Gottesdienstordnung einer der evangelischen Glaubensgemeinschaften: Noch vor 50 Jahren saßen Männer und Frauen getrennt in den Betsälen, und sogar auf dem Friedhof wurden die Gräber nach Geschlecht getrennt angelegt.

 

Auch die "Integration durch Sprache" verlief langsam

 

Wie man an den alten Grabsteinen erkennen konnte, hielt sich die tschechische Sprache noch zwei Generationen lang. Noch heute wohnen Nachfahren der böhmischen Flüchtlinge in den Häusern ihrer Familie, was allerdings nur noch der tschechische Familiennamen verrät.

 

Wie sehr Neukölln von den böhmischen Einwanderern geprägt worden ist sieht man auch am Neuköllner Bezirkswappen: Der Hussitenkelch als religiöses Symbol steht für die Glaubensflüchtlinge aus dem heutigen Tschechien. 



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